Klima

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UN Klimakonferenz: Klimaschutz braucht Handelsgerechtigkeit für Kleinbäuerinnen und -bauern im Süden

Forderungen der internationalen Fair-Trade-Bewegung an die UN-Klimakonferenz

Die ökologischen, wirtschaftlichen und sozialen Auswirkungen des Klimawandels setzen die Zukunft landwirtschaftlicher und handwerklicher Lieferketten aufs Spiel, indem sie hauptsächlich diejenigen treffen, die zugleich am wenigsten zum Klimawandel beigetragen haben: kleinbäuerliche Betriebe und die Landbevölkerung im Globalen Süden.

KleinbauerInnen, vor allem diejenigen, die weniger als zwei Hektar Anbaufläche bewirtschaften, stellen einen wesentlichen Bestandteil unserer globalen Lebensmittelversorgung und des weltweiten Landwirtschaftssystems dar. Allerdings sind sie den Auswirkungen des Klimawandels mit am stärksten ausgesetzt und sind selbst in überproportionalem Masse von Armut und Hunger bedroht.

Die überwiegende Mehrheit der über 800 Millionen KleinbauerInnen kann nicht in den Klimaschutz und in die Anpassung an den Klimawandel investieren. Unfaire Handelspraktiken und ungleiche Wertverteilung in den globalen Lieferketten für Agrar- und Lebensmittel verursachen finanzielle Engpässe und Ausfälle bei KleinbauerInnen. Somit fehlt ihnen die finanzielle Kraft, um in landwirtschaftliche Methoden zur Abmilderung der verheerenden Auswirkungen des Klimawandels zu investieren.

Darüber hinaus haben die ProduzentInnen häufig keinen Zugang zu Finanz- oder Klimaversicherungssystemen. Unsere gegenwärtigen Produktions- und Konsummodelle sowie die fehlende Regulierung zugunsten von fairen und nachhaltigen Geschäftspraktiken, insbesondere in der Landwirtschaft, behindern ambitionierte Pläne für einen wirkungsvollen Klimaschutz und stehen der Bedürfnisse derjenigen entgegen, die an der Frontlinie der Klimakrise sind – der KleinbauerInnen.

Es müssen umgehend konkrete und ambitionierte Maßnahmen, unter Berücksichtigung der Ziele für Nachhaltige Entwicklung (SDGs), ergriffen werden, um den Verlust von Lebensgrundlagen und die Risiken für die Ernährungssicherheit zu beseitigen. Aus diesem Grund fordert die globale Fair-Trade-Bewegung die Vertragsparteien der UNFCCC auf, die Grundsätze und die Praktiken des Fairen Handels als wichtigen Bestandteil von Klimaschutz- und Anpassungsstrategien anzuerkennen. Dringende Investitionen sind erforderlich, um eine klimaresistente Wirtschaft aufzubauen, die auf sozialer und wirtschaftlicher Gerechtigkeit beruht.

Die Fair-Trade-Bewegung ruft die Vertragsparteien der UNFCCC[1] an der COP25 auf, sich in den kommenden Klimaverhandlungen mit den Themen unfaire Handelspraktiken, Machtungleichgewicht in globalen Wertschöpfungsketten sowie nachhaltige Produktion und nachhaltiger Konsum zu befassen.

Ökonomische und soziale Ungleichheiten und Klimawandel sind untrennbar miteinander verbunden – ebenso wie ihre Lösungen. Eine gerechtere Verteilung der Wertschöpfung entlang globaler Lieferketten ermöglicht es, soziale und ökologische Ziele zu erreichen und gleichzeitig die Last der derzeitigen, nicht nachhaltigen Produktionsmuster gleichmäßiger zu verteilen. Aus diesem Grund fordern wir die Parteien auf:

  1. Partizipation: KleinbauerInnen zum Teil der Lösung für die Klimakrise machen und sicher zu stellen, dass sie als InteressenvertreterInnen bei der Ausarbeitung nationaler Klimaschutzmaßnahmen und bei der Entwicklung der Nationally Defined Contributions (NDCs) einbezogen werden. KleinproduzentInnen sind nicht nur mit am stärksten vom Klimawandel betroffen, sondern verfügen auch über traditionelles Wissen und Erfahrung in der Landwirtschaft, die für zielführende Lösungen genutzt werden können.
  2. Finanzielle und technische Unterstützung: Nationale Strategien für die Bereitstellung angemessener und an die Bedürfnisse der KleinbauerInnen orientierte finanzieller und technischer Unterstützung zu entwickeln, damit sie in Anpassungsmaßnahmen an den Klimawandel investieren und diese umsetzen können und dadurch ihre Existenzgrundlage sichern können.
  3. Finanziellen Zugang erleichtern: Die Vergabekriterien und -verfahren von Finanzmechanismen wie dem Green Climate Fund auf KleinproduzentInnen und ihren Organisationen ausrichten, so dass diese Zugang zu verfügbaren finanziellen Mitteln erhalten und diese unbürokratisch verwalten können. Besonderer Schwerpunkt soll auf weibliche Produzentinnen gelegt werden, da sie kaum Zugang zu technischer Unterstützung, Kapazitätsaufbau und finanzielle Mittel für Klimaschutz- und Anpassungsmaßnahmen haben.
  4. Kosteninternalisierung der Unternehmen: Mechanismen zu fördern, die die Unternehmen motivieren, die Kosten ihrer unfairen und klimaunfreundlichen Wirtschaftstätigkeiten zu internalisieren.
  5. Transparenz und Klimaschutzmassnahmen: Strategien, Abkommen und Gesetze im landwirtschaftlichen und Handelsbereich zu entwickeln, welche Transparenz erhöhen, Anreize für Klimaschutz- und Anpassungsmaßnahmen in Lebensmittelwertschöpfungsketten und bei ihren Interessengruppen schaffen, z.B. indem sie die Unternehmen verpflichten, in ihren Handelsbeziehungen mit KleinbauerInnen die Sorgfaltspflicht im Bereich der Menschenrechte zu wahren/anwenden, ohne die Kosten dieser Maßnahmen an die Produzent*inne weiterzugeben.
  6. Forschung: In Agrarforschung in den am stärksten vom Klimawandel betroffenen Gebieten zu investieren und an die Bedürfnisse der KleinbauerInnen orientierte landwirtschaftliche Praktiken zu fördern, welche ihre Resilienz steigern (wie z.B. die Erhaltung der biologischen Vielfalt und Agroforstmodelle unter Wahrung traditionellen Wissens und der Ernährungssouveränität).
  7. Nachhaltiger Konsum: Förderung eines nachhaltigen Konsums durch konsistente Gesetzgebung bei der öffentlichen Beschaffung, Handelsabkommen und Bildungsprogramme, welche zur Minderung der Klimarisiken beitragen. Dazu gehört auch die Unterstützung des Handwerks sowie weitere CO2-neutralen Produktionsmethoden, die eine alternative, nachhaltige Einkommensquelle ermöglichen. In Sektoren wie Kaffee und Kakao kann dies zur Bekämpfung Problems von Abholzung beitragen.

Die 25. UN-Klimakonferenz (COP 25), hat vom 2. bis 13. Dezember 2019 in Madrid stattgefunden. Die Zukunft unseres Planeten hängt stark von den politischen Entscheidungen ab, die im Verlauf der COP25 getroffen wurden und von deren unmittelbarer, ambitionierter und konsequenter Umsetzung noch in dieser Dekade.

Die unterzeichnenden Organisationen:

Commerce Équitable France
Coordinadora Estatal De Comercio Justo
Association Equo Garantito
Italian General Assembly of Fair Trade
EZA Fairer Handel
Fair Trade Advocacy Office
Fair World Project
Fairtrade International
Forum Fairer Handel
GEPA
Oxfam
Polish Fair Trade Association
Scottish Fair Trade Forum
Swiss Fair Trade
World Fair Trade Organization
World Fair Trade Organization-Europe

Position der Fair-Trade-Bewegung zu Cop25

[1] Englisch: United Nations Framework Convention on Climate Change, UNFCCC

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