Stellungnahme von Swiss Fair Trade zum Länderbericht 2026 der Schweiz zur Agenda 2030

Der Länderbericht 2026 der Schweiz zur Agenda 2030 zeigt eine klare, aber ernüchternde Zwischenbilanz: Zwar wurden in einzelnen Bereichen – etwa bei Kreislaufwirtschaft, erneuerbaren Energien und Gleichstellung – Fortschritte erzielt, insgesamt bleibt das Umsetzungstempo jedoch unzureichend.
In zentralen Handlungsfeldern wie nachhaltigem Konsum und Produktion, Klimaschutz, Armutsreduktion sowie den globalen Auswirkungen des eigenen Handelns ist die Schweiz deutlich im Rückstand; ein Erreichen der Ziele bis 2030 erscheint in diesen Bereichen derzeit unwahrscheinlich.
Swiss Fair Trade begrüsst ausdrücklich die transparente Standortbestimmung, den breiten Stakeholder‑Dialog sowie die klare Benennung von Hindernissen und Zielkonflikten im Bericht. Diese Offenheit bildet eine wichtige Grundlage, um die Nachhaltigkeitspolitik gezielt weiterzuentwickeln.
Besonders positiv ist hervorzuheben, dass der Bericht die Spillover‑Effekte der Schweiz anerkennt und damit sichtbar macht, dass ein grosser Teil der ökologischen und sozialen Auswirkungen des Schweizer Konsums und Wirtschaftens im Ausland anfällt.
Aus Sicht von Swiss Fair Trade ist diese Erkenntnis zentral: Die Erreichung der Nachhaltigkeitsziele hängt wesentlich davon ab, wie die Schweiz ihre globalen Lieferketten im Handel gestaltet.
Genau hier zeigt der Bericht jedoch eine entscheidende Lücke: Der internationale Handelsplatz Schweiz wird nur unzureichend einbezogen, und die Rolle globaler Lieferketten als Schlüssel zur Umsetzung der Agenda 2030 wird bislang nicht konsequent adressiert.
Eine stärkere Berücksichtigung globaler Lieferketten würde es der Schweiz ermöglichen, einen relevanten Beitrag zur Erreichung mehrerer SDGs zu leisten.
Zentrale Lücken und notwendige Massnahmen
1) Konsum ohne Lieferkettenperspektive
Der Bericht thematisiert nachhaltigen Konsum, stellt jedoch keinen systematischen Bezug zu den Produktionsbedingungen in globalen Lieferketten her.
Empfehlung:
Nachhaltiger Konsum muss konsequent entlang globaler Wertschöpfungsketten gedacht und bewertet werden. Die Auswirkungen auf Menschenrechte, Umwelt und Einkommen in Produzentenländern sind systematisch zu integrieren.
2) Fehlender Fokus auf faire Preise und Einkommen
Strukturelle Ursachen von Armut – insbesondere nicht existenzsichernde Einkommen und Preisdruck in Lieferketten – werden nicht adressiert.
Empfehlung:
Die Förderung von Living Income und Living Wage ist als zentrale Voraussetzung nachhaltiger Entwicklung zu verankern und in die Zielerreichung der Agenda 2030 einzubeziehen.
3) Unklare Verantwortung entlang der Lieferkette
Der Bericht benennt globale Auswirkungen, bleibt aber vage hinsichtlich der Verantwortung von Unternehmen und Politik.
Empfehlung:
Die Schweiz soll verbindliche Rahmenbedingungen schaffen, die eine klare Verantwortung von Unternehmen entlang der gesamten Lieferkette sicherstellen (z. B. durch wirksame Sorgfaltspflichten und Kontrolle).
4) Zu wenig konkrete Umsetzungsansätze
Die Herausforderungen sind klar benannt, jedoch fehlen ausreichend konkrete Wege zur Umsetzung.
Empfehlung:
Bestehende Lösungen wie Fair-Trade-Modelle sollten stärker anerkannt und skaliert werden, da sie bereits heute zeigen, wie nachhaltige und faire Lieferketten praktisch funktionieren.
5) Fehlende Indikatoren für faire Lieferketten
Es fehlen messbare Indikatoren zu sozialen Aspekten globaler Wertschöpfungsketten.
Empfehlung:
Die Schweiz soll Indikatoren entwickeln, um Fortschritte bei:
- fairen Handelsbeziehungen
- existenzsichernden Einkommen
- sozial nachhaltigen Lieferketten systematisch zu erfassen.
Fazit
Die Umsetzung der Agenda 2030 erfordert eine konsequente Berücksichtigung globaler Lieferketten.
Nachhaltige Entwicklung ist nur erreichbar durch:
faire Lieferketten mit verbindlicher Verantwortung und wirksamer Umsetzung.
Swiss Fair Trade ist überzeugt: Nachhaltigkeit ist dann glaubwürdig, wenn sie auch die Lebensbedingungen der Menschen verbessert, die unsere Produkte herstellen.








