Workshop: Ihre Risikoanalyse im Fokus – unter Einbezug von Modern Slavery und Zwangsarbeit

Wie lassen sich Risiken von Modern Slavery und Zwangsarbeit in Lieferketten erkennen und wirksam reduzieren?

 

Diese aktuelle Frage – die EU Forced Labour Regulation, die Ende 2027 für alle Unternehmen in Kraft tritt, die in die EU liefern – stand im Zentrum unseres Workshops Mitte Januar 2026 in Zürich, den wir gemeinsam mit Expert:innen von Solidar Suisse und Mammut sowie zahlreichen engagierten Teilnehmenden durchgeführt haben.

Im Fokus standen die länder- und produktspezifische Risikoanalyse, die legislative Entwicklungen, zuverlässige Datenquellen und internationale Rahmenwerke sowie konkrete systematische Ansätze zur Identifikation und Minderung von Risiken. 

Praxisbeispiele der Referent:innen veranschaulichten unterschiedliche Formen von Modern Slavery und Zwangsarbeit sowie deren konkrete Erscheinungsweisen. Der Einblick in unternehmensinterne Risikoanalysen zeigte, wie Risiken entlang der Lieferkette je nach Region, Branche und Kontext systematisch identifiziert werden können, und machte deutlich, dass verantwortungsvolle Zusammenarbeit bei diesem oft verborgenen und nicht greifbaren Thema komplex, aber möglich ist. 

In den Gruppendiskussionen wurden folgende Erkenntnisse gewonnen:

  • Schätzungen zufolge ist Zwangsarbeit in absoluten Zahlen in Europa und Zentralasien verbreiteter als in Afrika oder Nord- und Südamerika, was zeigt, dass es sich nicht um ein fernes, sondern auch um ein regional relevantes Risiko handelt. 
  • Zwangsarbeit ist häufig ein verdecktes, strukturelles Problem; Hinweise können u. a. unangemessen niedrige Löhne, kurzfristige oder unsichere Arbeitsverträge, exzessive Überstunden sowie Verschuldung von Beschäftigten (Schuldenfalle) sein. 
  • Zur wirksamen Bekämpfung von Zwangsarbeit ist ein systemischer Ansatz erforderlich, der Prävention, faire Einkaufspraktiken, die Stärkung von Arbeitnehmerrechten und sozialem Dialog, zielgerichtete Audits sowie funktionierende Beschwerdemechanismen kombiniert. 

Die lebhaften Gruppendiskussionen zeigten, dass Organisationen trotz sehr unterschiedlichen Ausgangslagen vor sehr ähnlichen Herausforderungen stehen. Gleichzeitig wurde deutlich, wie gross das gemeinsame Interesse ist, voneinander zu lernen, bestehende Instrumente kritisch zu reflektieren und konkrete Schritte zur Prävention von Zwangsarbeit weiterzuentwickeln. 

Ein herzliches Dankeschön an alle Referent:innen, Teilnehmenden und Unternehmen für den offenen Austausch und das grosse Engagement. Mit vielen neuen Impulsen und einem gestärkten gemeinsamen Verständnis blicken wir, trotz der Komplexität der Problemstellung, motiviert auf die nächsten Schritte.

 

Danke an alle, die sich diesem wichtigen Thema angenommen haben: Mammut, Solidar Suisse, Migros, Transa, Odlo, PKZ, Furter, Testex, Fairtrade Max Havelaar, gebana, Pakka

Weitere Beiträge

Unsere Erkenntnisse vom UN Forum on Business and Human Rights

Letzte Woche waren wir Teil des 14. UN Forum on Business and Human Rights in Genf. Es stand ganz im Zeichen der multiplen Krisen („Polycrisis“) und der Rolle der Unternehmen darin. Unsere zentralen Erkenntnisse lauten

Fair Fashion Award 2025: Säntis Textiles und Muntagnard ausgezeichnet

Der Fair Fashion Award, die einzige Schweizer Auszeichnung für soziale und ökologische Verantwortung in der Textilbranche, geht 2025 an Säntis Textiles in der Kategorie «Etabliert» und an Muntagnard in der Kategorie «Aufstrebend».

Hinter den Nähten: Unsere Lernreise in die Textil-Recycling- und Konfektionszentren von Tanger

Das nordafrikanische Land ist für viele europäische Modemarken nicht nur ein wichtiger, sondern oft ein strategisch entscheidender Beschaffungsstandort. So schafft dieser Sektor zehntausende Arbeitsplätze und ist damit ein zentraler Wirtschaftsmotor.

Diese 7 Finalist:innen stehen im Finale des Fair Fashion Awards 2025

Eindruck statt Fussabdruck – Sieben in der Schweiz tätige Organisationen, Projekte und Unternehmen haben sich aus insgesamt über 40 Bewerbungen für das Finale des Fair Fashion Award 2025 qualifiziert. Sie überzeugten die Jury mit herausragenden Ansätzen im diesjährigen Schwerpunktthema Kreislaufwirtschaft.

Fair Trade Community wächst weiter: Vier neue Mitglieder an Generalversammlung aufgenommen

Anlässlich der Generalversammlung durften wir ausserdem vier neue Mitglieder begrüssen. Sie haben den Monitoringprozess erfolgreich durchlaufen und setzen sich engagiert für Fair Trade ein. Wir freuen uns auf frische Impulse und den gemeinsamen Austausch!

Fair Fashion Award 2025: Einzige Schweizer Auszeichnung für faire Textilien startet in zweite Runde

Die Bewerbungsphase für den Fair Fashion Award 2025 ist eröffnet – und damit fällt der Startschuss für die zweite Ausgabe der Schweizer Auszeichnung für soziale und ökologische Verantwortung in der Textilindustrie.

Workshop: Faire Löhne in der Lieferkette – Berechnung und Strategien

In diesem Workshop wurden den Teilnehmenden Instrumente und Strategien vermittelt, um existenzsichernde Löhne zu berechnen und erfolgreich in ihren Lieferketten umzusetzen.

So funktioniert sozial nachhaltige Beschaffung

Ein neues Gutachten der Berner Fachhochschule zeigt auf, wie Städte und Gemeinden sozial nachhaltig beschaffen können. Die Autorinnen formulieren praxisorientierte Handlungsempfehlungen, wie Gemeinden die soziale Nachhaltigkeit mit den (oft knapp) vorhandenen Ressourcen im Beschaffungsprozess umsetzen können und beleuchten dabei Risiken und Fallstricke. 

Der Fair Fashion Award 2024 zeichnet die Gewinnenden aus

Der erste Award für faire Textilien der Schweiz geht an Jungle Folk in der Kategorie Aufstrebend, und an FTC Cashmere in der Kategorie Etabliert.