UN Klimakonferenz: Handelsgerechtigkeit für Kleinbäuerinnen und -bauern im Süden als Schlüssel

29.  November 2018

UN Klimakonferenz: Handelsgerechtigkeit für Kleinbäuerinnen und -bauern im Süden als Schlüssel

@Archie Binamira

 

Forderungen der internationalen Fair-Handels-Bewegung an die UN-Klimakonferenz.

Die ökologischen, wirtschaftlichen und sozialen Auswirkungen des Klimawandels setzen die Zukunft landwirtschaftlicher und handwerklicher Lieferketten aufs Spiel, indem sie hauptsächlich diejenigen treffen, die zugleich am wenigsten zum Klimawandel beigetragen haben: kleinbäuerliche Betriebe und die Landbevölkerung im Globalen Süden. 

Kleinbäuerinnen und -bauern, vor allem diejenigen, die weniger als zwei Hektar Anbaufläche bewirtschaften, stellen einen wesentlichen Bestandteil unserer globalen Lebensmittelversorgung und des weltweiten Landwirtschaftssystems dar. Allerdings sind sie den Auswirkungen des Klimawandels mit am stärksten ausgesetzt und sind selbst in überproportionalem Masse von Armut und Hunger bedroht.

Das internationale Wirtschaftssystem ist von Preisschwankungen, Preisdruck und ungerechten Handelspraktiken stark geprägt. In diesem Kontext stellt die Anpassung von Produktion und Handelspraktiken an immer häufigere, intensivere und weniger berechenbare Klimaextreme eine extreme Herausforderung für alle Beteiligten entlang der globalen Lieferkette dar.

Die zentrale Vision der internationalen Fair-Handels-Bewegung sieht Gerechtigkeit als das Herzstück wirtschaftlicher Beziehungen. Soll eine weltweite Antwort auf die Bedrohung durch den Klimawandel Erfolg haben, muss sie Armutsbekämpfung und nachhaltige Entwicklung berücksichtigen. Entsprechend nötig ist es, gerechtere Lieferketten den Vorzug zu geben und zu gewährleisten, dass kleinbäuerliche Erzeuger/innen und alle Beteiligten entlang globaler Lieferketten Zugang zu den nötigen finanziellen und technischen Mitteln haben, um eine klimaresistente Produktion und einen klimaresistenten Handel zu etablieren.

Handelsgerechtigkeit ist daher ein wichtiger Schritt, um Klimagerechtigkeit zu erreichen, indem die Bedürfnisse von Kleinbäuerinnen und -bauern Priorität erhalten und die erhöhten Risiken berücksichtigt werden, denen diese ausgesetzt sind.

Deshalb fordern wir die Vertragsstaaten der UN-Klimarahmenkonvention[1] dringend dazu auf, die Grundsätze des fairen Handels und faire Handelspraktiken als essenziellen Bestandteil von Strategien zum Klimaschutz und zur Anpassung an den Klimawandel anzuerkennen. Transparenz und verbindliche internationale Vorschriften für globale Wertschöpfungsketten sind dringend nötig!

Die internationale Fair-Handels-Bewegung ruft die Vertragsstaaten der UNFCCC auf der COP24 dazu auf, aktiv zu werden:

  1. Führen Sie Mechanismen für mehr Transparenz, Anreizsysteme und verbindliche Vorschriften ein, die für privatwirtschaftliche Akteure gelten, um klimaresistente und gerechte Lieferketten aufzubauen und zu gewährleisten, dass internationale Konzerne ihrer Sorgfaltspflicht nachkommen, z.B. durch faire Preise in der gesamten Lieferkette, die einen menschenwürdigen Lebensunterhalt ermöglichen und die Kosten nachhaltiger Produktion für Kleinbäuerinnen und -bauern decken;
  2. Unterstützen Sie Kleinbauernfamilien und benachteiligte Bevölkerungsgruppen über Fortbildungen und fachkundige Beratungen, finanzielle Mittel, die gezielt auf die Bedürfnisse der Kleinbäuerinnen und -bauern ausgerichtet ist, damit diese sich gegen die unvermeidbaren Folgen des Klimawandels wappnen, von Klimaschocks erholen und ihre Lebensgrundlagen wiederherstellen können, sowie für einen effektiven Klimaschutz und wirksame Anpassungsstrategien;
  3. Fördern Sie Mechanismen für die Internalisierung von Kosten, die durch unfaire und klimaschädliche Wirtschaftsaktivitäten entstehen, und ermöglichen Sie Steueranreize für CO2-freie Agrarprodukte, z.B. über die Einführung einer CO2-Steuer;
  4. Stellen Sie sicher, dass internationale Konzerne, die in Ländern des Globalen Südens tätig sind, Steuern gemäss ihrer Größe und Aktivitäten vor Ort zahlen und Regierungen in die Entwicklung klimaresistenter Modelle investieren, die Kleinbäuerinnen und -bauern und vulnerablen Bevölkerungsgruppen zugutekommen;
  5. Investieren Sie in den am stärksten vom Klimawandel betroffenen Gebieten in Agrarforschung und fördern Sie landwirtschaftliche Praktiken, die auf die Steigerung der Resilienz von Kleinbäuerinnen und -bauern ausgerichtet sind, (z.B. Erhalt von Biodiversität und Forstwirtschaftsmodelle, die traditionelles Wissen und Nahrungsmittelsouveränität respektieren).

Die 24. UNKlimakonferenz (COP 24), hat vom 3. bis 14. Dezember 2018 im polnischen Katowice stattgefunden. Die Zukunft unseres Planeten hängt nun stark von den politischen Entscheidungen ab, die im Verlauf der COP24 getroffen wurden, und von deren unmittelbarer, ambitionierter und konsequenter Umsetzung noch in dieser Dekade.

Die unterzeichnenden Organisationen:

Fairtrade International
Fairtrade Belgium
Fairtrade Czech & Slovakia
Fairtrade Finland
Fairtrade Germany (TransFair e.V.)
Fairtrade Italy
Fairtrade Poland
Max Havelaar France
Swiss Fair Trade
Fair World Project
Oxfam Belgium
Fair Trade Advocacy Office
World Fair Trade Organization
World Fair Trade Organization Europe
Associazione Botteghe del Mondo
Commerce Équitable France
Equo Garantito
Fédération Artisans du Monde
Forum Fairer Handel
GEPA – The Fair Trade Company
Polish Fair Trade Association
Scottish Fair Trade Forum
Traidcraft Exchange

[1] Englisch: United Nations Framework Convention on Climate Change, UNFCCC

PDF-Download: COP24 Positionspapier zur UN Klimakonferenz der Globalen Fair-Handels-Bewegung

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