Brücke – Le Pont in El Salvador

Frauen Diskriminierung

Sitrabordo

 

Brücke-Le Pont unterstützt Heimarbeiterinnen in El Salvador ihre Rechte einzufordern. Denn diese sehen sich oft gezwungen, unter unwürdigen Bedingungen für einen minimalen Lohn zu arbeiten. In dieser durch Corona bedingten Zeit, verteilt eine der Partnerorganisationen von Brücke · Le pont Nothilfepakete an Heimarbeiterinnen aus dem Projekt Sitrabordo, die keine Aufträge mehr von den Textilfabriken und so kein Einkommen erhalten.


Hintergrund

El Salvador ist auch nach über 20 Jahre des Bürgerkrieges (1980-1991) ein sozial und politisch zerrissenes Land. Die Drogenmafia und Jugendbanden (Maras) verbreiten vor allem in den Armenquartieren der Städte ihren Terror. Das Land hat eine der höchsten Mordraten weltweit. Rund drei Viertel der Bevölkerung sind arm und ein Viertel lebt unter der absoluten Armutsgrenze; über 60% der arbeitsfähigen Menschen sind arbeitslos oder unterbeschäftigt. 

Heimarbeiterinnen fordern ihre Rechte ein
Ein grosser Teil der Frauen, die in den Aussenquartieren der Hauptstadt San Salvador leben, arbeiten in zollfreien Produktionszonen.  Die Fabriken lagern aufgrund des Preisdrucks einen Teil der Arbeit an Heimarbeiterinnen aus. Dies mit fatalen Konsequenzen für die Betroffenen, denn im Gegensatz zu den Fabrikarbeiterinnen haben die Heimarbeiterinnen gar keinen Rechtsschutz, da sie offiziell gar nicht existieren. So leiden sie unter ungerechten Verträgen und stehen unter extremer Arbeitsbelastung.  

Schlechte Arbeitsbedingungen
Die Heimarbeiterinnen erhalten keinen Mindestlohn, sondern eine Entschädigung pro Kleidungsstück, maximal USD 2.50 pro Stück. Mit durchschnittlichen Arbeitstagen von 15 Stunden stellen sie im Monat 30 bis 50 Stück fertig, was einen Monatslohn von USD 75 bis maximal USD 125 ergibt. 

Besorgniserregend sind auch die gravierenden gesundheitlichen Folgen, welche die Heimarbeiterinnen, die über keine Gesundheitsvorsorge verfügen, durch ihre Arbeit erlitten haben: chronische Beschwerden in Armen und Rücken, Augenprobleme und Kopfschmerzen, Schlafstörungen und weitere Stresssymptome. 

Das Projekt Sitrabordo
Im Projekt
Sitrabordo kommen Frauen zusammen, die zuhause Stick-Arbeiten erledigen. Viele von ihnen haben jahrelang isoliert für einen minimalen Lebensstandard gekämpft. Das Projekt unterstützt sie dabei, sich zu vernetzen und zu organisieren, um ihre Menschen- und Arbeitsrechte wirkungsvoll einzufordern.  

So wurden im 2019: 

  • 17 Vorstandsmitglieder der Gewerkschaft SITRABORDO und 68 Gewerkschaftsmitglieder zu Arbeitsrechten und „Gewerkschaftswesen“ geschult.
  • Die 17 Vorstandsmitglieder erhielten noch weitere Schulungen (z.B. Projektmanagement, Kommunikation, Konfliktmanagement). 
  • 150 Stickerinnen, die ebenfalls in Heimarbeit arbeiten aber noch nicht Mitglied von SITRABORDO sind, wurden besucht und über ihre Arbeitsrechte sowie die Gewerkschaft informiert.

Darüber hinaus wurden Sensibilisierungskampagnen und politisches Lobbying durchgeführt. U.a. wurde ein Treffen mit dem Direktor für Inspektionen des Ministeriums für Arbeit und Altersvorsorge MTPS (Ministerio de Trabajo y Previsión Social) organisiert, in dem es darum ging, dass MTPS auch die Arbeitsbedingungen von Heimarbeiterinnen prüfen solle und dass der ILO-Standard 177 über Heimarbeit ratifiziert werden soll.  

Brücke · Le pont und ihre Partnerorganisationen unterstützen Menschen, die besonders vom Coronavirus betroffen sind.
In El Salvador verteilt eine der Partnerorganisationen von Brücke · Le pont Nothilfepakete an Heimarbeiterinnen aus dem Projekt Sitrabordo, die keine Aufträge mehr von den Textilfabriken und so kein Einkommen erhalten. Ohne auf Ersparnisse oder staatliche Unterstützung zurückgreifen zu können, sind sie ganz auf sich selbst gestellt. Diese Frauen erhalten Lebensmittel und Hygieneartikel für sich und ihre Familien, um die erste Zeit ohne Einnahmen zu überbrücken. 

Weitere Informationen über das Projekt Sitrabordo finden Sie auf der Seite von Brücke – Le pont

Isela Beltrán berichtet von den Strapazen ihrer Arbeit

Porträt der Heimarbeiterin Gloria Jorge, Sendung «Mitenand» von SRF

Dokumentarfilm «Made in El Salvador» (auf Spanisch)