13. Februar 2019
Event „Nachhaltiger Handel“ – Partnerschaften eingehen
Am Event „Nachhaltiger Handel – Wo liegen Wirkung und Grenzen? Was sind die Rollen von Firmen, Gemeinden, Kantonen und Privaten?“ trafen sich rund 90 Teilnehmende aus Industrie, Detailhandel, NGOs, Fair Trade-Organisationen sowie öffentlicher Hand. Der Anlass wurde von Swiss Fair Trade in Zusammenarbeit mit amfori Schweiz organisiert.
Bereits in den Inputreferaten und der Paneldiskussion zeigten sich die grosse Bandbreite an Ansätzen, um Lieferketten und Produkte nachhaltiger zu gestalten:
- Jürg von Niederhäusern und Christine Zwahlen von Migros zeigten die Einbettung der Nachhaltigkeit in ihren operativen Geschäftsfeldern auf.
- Jörg Schmidt von der ZHAW präsentierte die Resultate einer Wirkungsanalyse beim Einsatz von amfori BSCI in China.
- Fabian Waldmeier (Max Havelaar) berichtete aus verschiedenen externen Wirkungsstudien zu Fairtrade und dessen Wirkung und Grenzen.
- Sascha Tarli, Urs Wigger vom Kanton Bern erläuterten die nachhaltige Beschaffung des Kantons Bern und zeigten ihre Anforderungen an Standards und Labels auf.
Das Panel und Worldcafé mit den weiteren Gästen Sybil Anwander (BAFU), Beat Jans (SP) sowie Fabian Waldmeier (Max Havelaar) und Christian Ewert (Präsident amfori) zeigte, dass es noch dringend Übersetzungsarbeit braucht zwischen den Behördenstellen, zwischen Unternehmen und Konsumierenden, damit nachhaltige Lieferketten sich stärker im Markt positionieren und wertgeschätzt werden.
Herausforderungen und Wirkung beim Detailhändler
Migros als grosser Detailhändler der Schweiz ist einem Spannungsfeld von nationaler Grösse und begrenzter Wirkung im Weltmarkt ausgesetzt. Um nachhaltige Wirkung zu erzielen, ist daher die Verwendung eines internationalen Systems wie amfori BSCI wichtig, um einen gemeinsamen Nachhaltigkeitsansatz gegenüber den ProduzentInnen zu vertreten. Nicht zuletzt spart dies Kosten und Aufwand – sowohl beim Detailhändler wie auch beim Produzenten.
Die von ZHAW initiierte, unabhängige Messung der Wirkung von BSCI versucht letztendlich das soziale Kapital einer Firma zu messen. Interessant auch hier: Effektive Zusammenarbeit von Produzent und Detailhändler erzielen signifikante Wirkung.
Zusammenarbeit als gemeinsamer Nenner
In der Arbeit bei Max Havelaar wird deutlich, dass die schwächsten Glieder in der Wertschöpfungskette am effektivsten durch die Bildung eines Netzwerks gestärkt werden können und so ihre Resilienz verbessert werden kann. Die Studien zeigen auch, dass höhere Verkaufserlöse, Kenntnisse der ProduzentInnen zu nachhaltigen Landwirtschaftspraktiken und eine Diversifizierung in ihrem Anbau Erfolgsfaktoren des Fairtrade Systems sind.
40 Milliarden Franken fallen jährlich in der Schweiz der öffentlichen Beschaffung an, das sind rund 6% des Bruttosozialprodukts. Die öffentliche Beschaffung des Kanton Berns vertritt damit einen grossen Wirkungsradius. Der Kanton berücksichtigt z. B. die Lebenswegkosten sowie soziale und ökologische Aspekte bei Beschaffungs-Entscheiden. Entsprechende Labels und Standards sind dabei wichtig: Um relevant zu sein, müssen sie vergleichbar, unabhängig kontrolliert und diskriminierungsfrei sein.
Weiteres Vorgehen
Die Zusammenarbeit mit amfori Schweiz erlaubt es ein breites Spektrum der Industrie und des Handels anzusprechen und gemeinsam nächste Schritte für mehr Nachhaltigkeit in den Lieferketten zu definieren. Aus den diskutierten Punkten lassen sich folgende Themenfelder identifizieren:
- Industrie & Handel: Förderung von Branchenlösungen mit klaren Standards und Labels sowie Etablierung von internationalen Beschaffungskooperationen.
- Politik und Öffentliche Hand: Einheitliche Umsetzung des revidierten Bundesgesetzes zur öffentlichen Beschaffung in kantonalen und kommunalen Beschaffungsstellen mit entsprechender Gewichtung von Nachhaltigkeitskriterien.
- Lieferkette: Partnerschaftliche Beziehungen entwickeln, welche langfristig ausgerichtet sind und die lokalen Herausforderungen und Bedürfnissen auf allen Ebenen der Einkaufsentscheidung mitberücksichtigen.
- KonsumentInnen: Förderung der Bewusstseins bei KonsumentInnen und EntscheiderInnen für die gesamte Wertschöpfungskette und damit für qualitativ und nachhaltig hergestellte Produkte. Aber auch eine einfachere Handhabung im Verkaufsregal und die Motivation von bekannten Brands ihre Nachhaltigkeit voranzutreiben.
Swiss Fair Trade und amfori Schweiz werden diese Handlungsfelder genauer analysieren und nach Möglichkeit mittels Workshops, Projekten und öffentlichen Events weiterbearbeiten. Swiss Fair Trade hat zudem aktuell das Schwerpunktthema „Impact messen und erhöhen“ definiert und wird dazu verschiedene Workshops durchführen.
Falls Sie sich bei diesen Themen angesprochen fühlen und mitdiskutieren möchten, schreiben Sie uns gerne eine Email auf info@swissfairtrade.ch.
Ein grosses Dankeschön an die Sponsoren des Abends Delinat, Blume 3000 und Michel.
Präsentationen zum downloaden
Migros: Nachhaltiger Welthandel. Wo liegen Wirkung und Grenzen?